16.08.10

Sparen bei der Kirche

Synodale informierten über Spardebatte in der Landessynode

Die Spardebatte stand im Mittelpunkt der Sommer-Tagung der Evangelischen Landessynode Württembergs. Um die zehn Millionen Euro – so die Vorgabe des Finanzdezernats – müssen jährlich eingespart werden. Grund sind die wegen der demographischen Entwicklung zu erwartenden Rückgänge der Kirchensteuer.

Elke Dangelmaier-Vinçon und Robby Höschele, die beiden Synodalen der Offenen Kirche (OK), äußerten im Rahmen ihres in Brucken veröffentlichten Berichts aus der Synode Zweifel an der Einschätzung des 2009 „bedrohlichen Rückgangs“. Das in puncto Steuereinnahmen als Rekordjahr zu wertende Jahr sei eine fragliche Messlatte. Schon jetzt zeichne sich ab, dass die Steuereinnahmen im laufenden Jahr womöglich deutlich besser ausfielen als angenommen. Gleichwohl sehen die beiden Vertreter die Notwendigkeit der Sparmaßnahmen.


Früherer Eintritt in den Ruhestand könnte Millionen sparen

Ein früherer Eintritt in den Ruhestand und ein zeitlich begrenzter Einsatz von Pfarrern in Bereichen wie Diakonie und Mission könnten etwa drei Millionen Euro an Einsparungen erbringen, da die an andere Träger „verliehenen“ Pfarrer aus deren Haushalt zumindest zur Hälfte, wenn nicht ganz bezahlt würden. Bei einer Rückkehr nach fünf bis sechs Jahren kämen die Theologen mit neuen Ideen zurück in den Pfarrdienst. Etwa zwei Millionen Euro könnten aus Sicht der OK-Synodalen bei Investitionen eingespart werden. Bei diesen insgesamt fünf Millionen Euro umfassenden Maßnahmen bestünde Konsens, diese könnten und müssten dann aber auch zügig umgesetzt werden.

Große Fragezeichen setzen Elke Dangelmaier-Vinçon und Robby Höschele bei ins Auge gefassten Einsparungen in den Haushalten wie beispielsweise Jugend- und Frauenarbeit, Fachschulen und nicht zuletzt bei der seit vielen Jahren insbesondere von den konservativen Kräften in der Synode immer wieder ins Visier genommenen Akademie Bad Boll. Ein Minus von 700 000 Euro dort – zunächst waren 2,5 Millionen Euro angedacht – und erhebliche finanzielle Einschnitte bei den anderen Einrichtungen würden dazu führen, diese „kaputt zu sparen“. Dabei sei zu bedenken, dass viele dieser Bereiche schon früher mehrfach Sparmaßnahmen unterzogen worden seien.

Ursprünglich habe es sogar Überlegungen gegeben, die Landeskirchliche Hochschule für Musik in Tübingen aufzugeben, diese seien glücklicherweise verworfen worden. Wesentlich effektivere Ergebnisse sind aus Sicht der beiden Vertreter der Offenen Kirche mit deutlichen Strukturveränderungen in der Landeskirche zu erreichen. Schlanker gestaltete Abläufe und effizientere Strukturen könnten sich durchaus auch finanziell auswirken. Für Elke Dangelmaier-Vinçon müsste kirchliche Betriebswirtschaftslehre anders aussehen: „Es kann doch nicht sein, dass jede Gemeinde separat Dinge wie beispielsweise Kopierer bestellt.“ Es könne auch daran gedacht werden, kleine Dekanate zusammenzulegen und damit Personalstellen einzusparen. 185 Millionen Euro an Rücklage im Rücken würden verpflichten, bei einschneidenden Kürzungen erst einmal nach dem Flurschaden zu schauen, der damit angerichtet werde.


Kirchliches Bildungszentrum wird teuer

Den an der Arbeit der Offenen Kirche interessierten Besuchern war beim Informationsabend in Brucken ein auf die Landeskirche zurollender finanzieller Brocken nur schwer zu vermitteln: Das Kirchliche Bildungszentrum „Haus Birkach“ ist marode, wird von der Stadt Stuttgart bald wegen mangelnden Brandschutzes geschlossen und muss für etwa 15 Millionen Euro saniert werden. Der einst favorisierte Abriss sei angesichts der Tatsache, dass der Bau mittlerweile unter Denkmalschutz steht, wohl nicht mehr umsetzbar. Jahrelange gerichtliche Auseinandersetzungen würden drohen. Robby Höschele sprach sich dennoch für die Sanierung aus: „Es handelt sich um eine einmalige, werterhaltende Investition.“ Während der Herbsttagung der Landessynode im November muss eine Entscheidung fallen.