05.09.15

"Ich will Dich segnen“

Morgen werden zwei neue Pfarrerinnen im Kirchenbezirk Nürtingen willkommen geheißen: Christine Walter-Bettinger und Anja Keller

Autor: Nürtinger Zeitung - Jürgen Gerrmann

Nürtingens evangelischer Dekan Michael Waldmann bekommt Unterstützung. Von zwei Frauen. Im Gottesdienst morgen um 10.15 Uhr werden Christine Walter-Bettinger und Anja Keller willkommen geheißen.
 
NÜRTINGEN. Die beiden teilen sich eine Stelle – „Pfarrerin zur Dienstaushilfe“ heißt das offiziell. Man könne das mit einer „Assistentin der Geschäftsleitung“ vergleichen, sagt Waldmann.
 
Christine Walter-Bettinger (45) stammt aus Wasserstetten. Nach ihrer Kindheit und Jugend auf der Alb studierte sie in Tübingen, war dann Seelsorgerin am Diakonissen-Krankenhaus in Stuttgart. Im Vikariat in Geradstetten lernte sie noch den legendären „Remstal-Rebellen“ Helmut Palmer kennen, bevor sie beim Diakonischen Werk für die jungen Leute im freiwilligen sozialen Jahr zuständig war. Danach wirkte sie als Pfarrerin an der Augustinuskirche in Schwäbisch Gmünd und in Kleinheppach. Dann kam ihre Tochter zur Welt (die ist jetzt drei), und mittlerweile wohnt sie mit ihr und ihrem Mann in Grötzingen. Was günstig ist, denn sie soll den Dekan vor allem im Kirchenbezirk unterstützen.

Beide Pfarrerinnen wollen „Glauben und die Welt in Dialog bringen“

Nürtingen hingegen ist Einsatzort von Anja Keller (31). Sie hat auch in Tübingen studiert und stammt aus Holzgerlingen am Rande des Schönbuchs. Als Studentin hat sie fürs Gustav-Adolf-Werk ein Praktikum in einer reformierten Gemeinde in Belfort in der Franche-Comté absolviert – sie kennt also die Situation als Minderheit in der Minderheit. Frankreich ist erstens per Verfassung laizistisch. Und zweitens gibt es viel, viel weniger evangelische Christen als katholische.

Danach studierte sie in Wien und Heidelberg weiter und absolvierte ein Vikariat in Denkendorf. Vor drei Jahren wurde ihr und ihrem Mann Daniel ein Sohn geschenkt – und vor drei Monaten noch ein Töchterchen dazu. Alle drei wohnen jetzt in der Braike.

Die frühere Holzgerlinger Pfarrerin Kerstin Hackius war es, die Anja Keller für den Beruf der Pfarrerin begeisterte. Los ging es schon mit der Kinderkirchen-Arbeit: „Aber dann wollte ich auch eine theoretische Basis für das, was ich praktisch gemacht habe.“ Also studierte sie.

Ihr großes Ziel damals wie heute: „Ich will das Evangelium ins Gespräch bringen. Ich habe einen Verkündigungsauftrag. Der gilt nicht nur sonntags zwischen 10 und 11 Uhr. Sondern in allen Dingen, die man wahrnimmt.“ Jugendarbeit – das sei zum Beispiel ein Pfund, mit dem die Kirche nach wie vor wuchern könne. Ohnehin sei sie der Meinung: „Wir müssen unsere Stärken stärken und nicht unsere Schwächen überbeleuchten.“

Und was war für Christine Walter-Bettinger der Anstoß, diesen Beruf zu ergreifen? „Ich hatte einen sehr guten Religionslehrer. Der hat mir deutlich gemacht, dass es wichtig ist, den Glauben und die Welt miteinander in Dialog zu bringen. Außerdem bin ich gern mit Menschen zusammen – es ist einfach toll, gemeinsam etwas auf die Beine zu stellen!“

Christen haben ja einen Tauf- und Konfirmationsspruch. Zumindest den ersteren suchen sie sich in der Regel nicht selbst aus. Was aber ist denn die Stelle in der Bibel, die sie selbst am meisten berührt und sie selbst gern als Leitwort für ihr Leben hätten? Beide sind sich einig: Er steht im Alten Testament. 1. Mose 12, Vers 2: „Ich will Dich segnen und Du sollst ein Segen sein!“

Morgen, Sonntag, werden die beiden Pfarrerinnen um 10.15 Uhr im Gottesdienst in der Stadtkirche Sankt Laurentius begrüßt.